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Investition

Sanierungsstau erkennen: Renovationsbudget für Anlageobjekte realistisch planen

Die meisten Fehlkäufe bei Renditeliegenschaften entstehen nicht bei der Rendite, sondern beim Unterhalt. Wer den aufgeschobenen Unterhalt nicht erkennt, kauft eine Bruttorendite und bezahlt danach eine Sanierung. Dieser Beitrag zeigt, worauf Sie bei der Besichtigung achten, wie Sie aus Ihren Beobachtungen ein belastbares Budget bauen und wie Sie diese Zahl in Preisverhandlung und Renditerechnung überführen.

Sanierungsstau ist kein Zustand, sondern eine Rechnung

Sanierungsstau bedeutet: Bauteile haben ihre Lebensdauer erreicht oder überschritten, wurden aber nicht ersetzt. Das Geld, das für den Ersatz nötig gewesen wäre, ist in der Vergangenheit als Ertrag ausgeschüttet worden. Sie kaufen also nicht nur eine Liegenschaft, sondern auch eine aufgelaufene Verbindlichkeit. Die Aufgabe des Investors ist einfach zu formulieren und schwer umzusetzen: diese Verbindlichkeit beziffern, bevor der Kaufvertrag beurkundet wird.

Die zehn Punkte, die Sie bei jeder Besichtigung prüfen

BauteilWoran Sie den Zustand erkennenLebensdauer
DachMoosbewuchs, verschobene Ziegel, Flickstellen, feuchte Flecken im DachraumSteildach 40 bis 60 Jahre, Flachdach 25 bis 35 Jahre
FassadeRisse, Abplatzungen, Algen, Verfärbungen unter Fensterbänken30 bis 40 Jahre
FensterBeschlagene Scheiben zwischen den Gläsern, klemmende Flügel, alte Dichtungen30 bis 40 Jahre
BalkoneRostfahnen, abplatzender Beton an Kanten, undichte Abdichtung30 bis 50 Jahre
HeizungTypenschild mit Baujahr, Serviceberichte, Öltank und Kesselzustand20 bis 25 Jahre
Steigleitungen SanitärKalkränder, Rost an Absperrhähnen, Druckprobleme in oberen Geschossen40 bis 50 Jahre
ElektroinstallationAlte Verteilkasten, fehlende Fehlerstromschutzschalter, Sicherheitsnachweis abgelaufenca. 40 Jahre
Bäder und KüchenOriginalzustand, Silikonfugen, Zustand der Abdichtung25 bis 35 Jahre
Keller und SockelSalzausblühungen, feuchte Ecken, muffiger Geruchabhängig von Abdichtung und Drainage
UmgebungSetzungen im Vorplatz, defekte Entwässerung, Zustand der Stützmauern30 bis 50 Jahre
💡 Tipp von Marlin Immobilien Verlangen Sie vor der zweiten Besichtigung drei Dokumente: den Heizungs-Serviceordner, den letzten Sicherheitsnachweis der Elektroinstallation und die Liste der Investitionen der letzten fünfzehn Jahre. Wer diese drei Unterlagen nicht liefern kann, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Sanierungsstau – unabhängig davon, wie gepflegt das Treppenhaus wirkt.

Vom Befund zum Budget

Arbeiten Sie mit drei Kategorien, die Sie getrennt beziffern:

  • Sofort (Jahr 1 bis 2). Alles, was Sicherheit, Dichtigkeit und Vermietbarkeit betrifft: Elektromängel, Dachundichtigkeiten, defekte Heizung, feuchte Wände.
  • Mittelfristig (Jahr 3 bis 7). Bauteile am Lebensdauerende, die noch funktionieren: Fenster, Fassade, Balkone, Steigleitungen.
  • Wertsteigernd (nach Bedarf). Küchen, Bäder, Bodenbeläge, Grundrissoptimierungen, Ausbau Dachgeschoss. Diese Positionen sind eine Entscheidung, nicht eine Pflicht.

Für die grobe Einordnung eines Mehrfamilienhauses hat sich in der Praxis eine Rechnung über die Fläche bewährt. Eine Vollsanierung der Hülle inklusive Technik liegt erfahrungsgemäss bei CHF 800 bis 1’500 pro m² Wohnfläche, eine reine Erneuerung von Küchen und Bädern bei CHF 300 bis 600 pro m². Das sind Erfahrungswerte für die erste Beurteilung und ersetzen keine Kostenschätzung durch eine Fachperson.

Rückstellungen: die Zahl, die in vielen Renditerechnungen fehlt

Wer eine Nettorendite ohne Rückstellungen ausweist, rechnet sich das Objekt schön. Als Orientierung dienen rund 1 Prozent des Gebäudeversicherungswerts pro Jahr für Unterhalt und Erneuerung. Bei einem Objekt mit deutlichem Sanierungsstau ist der reale Bedarf in den ersten Jahren ein Mehrfaches davon.

KennzahlOhne RückstellungMit realistischer Rückstellung
Nettomietzinse pro JahrCHF 120’000CHF 120’000
Betriebs- und VerwaltungskostenCHF 18’000CHF 18’000
Rückstellung Unterhalt und ErneuerungCHF 0CHF 28’000
Ergebnis vor ZinsenCHF 102’000CHF 74’000
Nettorendite bei Investition von CHF 2’400’0004,3 Prozent3,1 Prozent

Das Beispiel ist bewusst einfach gehalten. Es zeigt den Punkt, auf den es ankommt: Der Unterschied zwischen einer guten und einer mittelmässigen Anlage steckt nicht im Mietzins, sondern in der Frage, wer den aufgelaufenen Unterhalt bezahlt.

💡 Tipp von Marlin Immobilien Führen Sie Ihren Sanierungsbefund als Beilage in die Preisverhandlung ein, nicht als Behauptung im Gespräch. Eine sachliche Liste mit Bauteil, Zustand, Lebensdauer und Kostenschätzung verschiebt die Diskussion von der Meinung auf die Zahlen. Genau dort gewinnen Sie.

Sanierung im vermieteten Zustand

Sanieren Sie mit bestehenden Mietverhältnissen, sind zwei Punkte wichtig. Erstens: Wertvermehrende Investitionen können nach den mietrechtlichen Regeln teilweise auf den Mietzins überwälzt werden, werterhaltender Unterhalt nicht. Zweitens: Umfangreiche Arbeiten mit erheblicher Beeinträchtigung können Anspruch auf Mietzinsreduktion begründen. Planen Sie Etappierung, Information und Fristen früh und formell korrekt – hier lohnt sich der Beizug einer Fachperson.

Fazit

Sanierungsstau ist kein Grund, ein Objekt abzulehnen. Er ist ein Grund, den Preis anders zu rechnen. Wer die zehn Bauteile systematisch prüft, drei Zeithorizonte trennt und Rückstellungen ehrlich einsetzt, findet genau dort Chancen, wo andere nur einen Aufwand sehen – und kauft nie mehr eine Rendite, die es nicht gibt.

Häufige Fragen

Wie hoch sollten Rückstellungen für ein Mehrfamilienhaus sein?

Als Orientierung gelten rund 1 Prozent des Gebäudeversicherungswerts pro Jahr. Bei Objekten mit Sanierungsstau ist der Bedarf in den ersten Jahren deutlich höher.

Lohnt sich ein Bauzustandsbericht vor dem Kauf?

Bei Mehrfamilienhäusern praktisch immer. Die Kosten sind im Verhältnis zum Kaufpreis klein und der Bericht ist gleichzeitig Ihr wichtigstes Verhandlungsdokument.

Darf ich Sanierungskosten auf die Mietzinse überwälzen?

Teilweise. Überwälzbar sind wertvermehrende Investitionen im mietrechtlich zulässigen Rahmen, nicht der werterhaltende Unterhalt. Form und Fristen sind einzuhalten.

Was ist der Unterschied zwischen werterhaltend und wertvermehrend?

Werterhaltend ist der Ersatz eines Bauteils in gleicher Qualität, wertvermehrend eine Verbesserung des Standards. Die Unterscheidung ist sowohl steuerlich als auch mietrechtlich zentral.

Wie unterscheidet sich das von einem Fix-&-Flip-Projekt?

Beim Anlageobjekt planen Sie über zwanzig Jahre und optimieren den Ertrag; bei Fix & Flip planen Sie über zwölf bis vierundzwanzig Monate und optimieren den Wiederverkaufswert. Budgetlogik und Bautempo unterscheiden sich entsprechend.

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Aneta Dukova · Marlin Immobilien AG

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Quellen

Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein SIA, Angaben zur Lebensdauer von Bauteilen

Schweizerisches Obligationenrecht, Art. 269a und Art. 259d (Mietzinsanpassung und Mietzinsreduktion)

Wüest Partner, Immo-Monitoring zweites Quartal 2026 cash.ch

Erfahrungswerte Marlin Immobilien AG aus Einkaufsprüfungen von Renditeliegenschaften

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Finanz- oder Rechtsberatung. Für Ihre persönliche Situation ziehen Sie bitte Anwalt, Treuhänder, Notariat oder Ihre Bank bei. Stand: September 2026.

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