Das Angebot ist knapp, die Nachfrage hoch: Die Leerwohnungsziffer liegt bei rund 1 Prozent und die Preise für Wohneigentum sind im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um rund 4,3 Prozent gestiegen. Wer ein passendes Objekt findet, steht darum oft nicht allein da. Die gute Nachricht: Den Zuschlag erhält selten der höchste Preis, sondern die beste Vorbereitung. Diese sechs Punkte entscheiden.
Wie eine Verkäuferschaft tatsächlich entscheidet
Verkäuferinnen und Verkäufer wollen zwei Dinge: einen guten Preis und Sicherheit, dass der Verkauf zustande kommt. Ein Rückzug nach vier Wochen kostet Zeit, Geld und Nerven – und wird auf dem Markt sichtbar. Deshalb gewinnt in der Praxis regelmässig das Angebot, das ein Stück tiefer liegt, aber sauber finanziert und klar terminiert ist. Genau hier setzen Sie an.
1. Finanzierungsbestätigung vor der Besichtigung
Lassen Sie sich von Ihrer Bank oder Ihrem Finanzierungspartner eine Finanzierungsbestätigung über einen Rahmenbetrag ausstellen, bevor Sie ins Suchen einsteigen. Sie zeigt Eigenmittel, Tragbarkeit und Bereitschaft der Bank. Ein Angebot mit Bestätigung ist im Vergleich zu einem Angebot ohne Bestätigung ein anderes Angebot – auch bei gleichem Preis.
2. Eigenmittel klar und verfügbar
Mindestens 20 Prozent Eigenmittel, davon mindestens 10 Prozent aus Mitteln, die nicht aus der zweiten Säule stammen. Wichtig ist die Verfügbarkeit: Ein Vorbezug aus der Pensionskasse braucht Bearbeitungszeit, teils mehrere Wochen. Klären Sie Fristen und Formulare, bevor Sie ein Angebot abgeben, nicht danach.
3. Schnelle, verbindliche Rückmeldung
Melden Sie nach der Besichtigung innerhalb eines Tages zurück, und zwar konkret: Interesse ja oder nein, welcher Preis, welche Bedingungen, welcher Zeitplan für Reservation und Beurkundung. Vage Formulierungen wie «wir überlegen es uns» kosten Sie Position. Ein klares Nein ist übrigens auch ein Gewinn: Es hält Sie im Kontakt für das nächste Objekt.
4. Realistische Termine statt Wunschdaten
Prüfen Sie vor dem Angebot, wann Sie tatsächlich beurkunden und übernehmen können. Wer eine bestehende Wohnung kündigen muss oder selbst zuerst verkaufen will, sagt das offen und schlägt eine Lösung vor. Verkäuferschaften akzeptieren erstaunlich viel, solange es planbar ist. Überraschungen akzeptieren sie nicht.
5. Preis mit Begründung, nicht aus dem Bauch
Ein Angebot wirkt stärker, wenn es begründet ist. Nennen Sie zwei bis drei Vergleichswerte oder den Sanierungsbedarf, den Sie mitrechnen. Damit signalisieren Sie: Dieser Preis ist überlegt und wird nicht in zwei Wochen wieder in Frage gestellt.
| Angebot A | Angebot B | Wer erhält meist den Zuschlag |
|---|---|---|
| CHF 40’000 über dem Richtpreis, Finanzierung noch offen, Termin unklar | Richtpreis, Finanzierungsbestätigung vorhanden, Beurkundung in sechs Wochen | in der Praxis meist Angebot B |
6. Nicht über die eigene Grenze hinaus bieten
Der grösste Fehler in einem knappen Markt ist der emotionale Aufschlag am Schluss der Verhandlung. Halten Sie Ihre Obergrenze schriftlich fest, bevor Sie bieten – inklusive Sanierungsbudget und Nebenkosten des Erwerbs. Wenn die Bank das Objekt tiefer schätzt als den vereinbarten Preis, müssen Sie die Differenz aus Eigenmitteln tragen. Diese Rechnung machen Sie besser vorher.
Fazit
In einem Markt mit knappem Angebot gewinnt Vorbereitung. Finanzierungsbestätigung, verfügbare Eigenmittel, schnelle klare Rückmeldung, planbare Termine, ein begründeter Preis und eine feste Obergrenze: Diese sechs Punkte machen aus einem von vielen Interessenten die erste Wahl – und schützen Sie gleichzeitig davor, zu viel zu bezahlen.
Häufige Fragen
Wie viel Eigenmittel brauche ich für den Kauf?
In der Regel mindestens 20 Prozent des Kaufpreises, davon mindestens 10 Prozent aus Mitteln ausserhalb der zweiten Säule. Dazu kommen die Nebenkosten des Erwerbs.
Ist eine Finanzierungsbestätigung verbindlich?
Sie ist eine Absichtserklärung der Bank auf Basis Ihrer Angaben, keine endgültige Zusage. Für die Verkäuferschaft ist sie dennoch der wichtigste Vertrauensbeweis.
Was passiert, wenn die Bank das Objekt tiefer schätzt als der Kaufpreis?
Die Bank finanziert auf Basis ihres Schätzwerts. Die Differenz zum vereinbarten Preis müssen Sie mit zusätzlichen Eigenmitteln decken.
Soll ich von Anfang an mein Maximum bieten?
Nein. Bieten Sie einen begründeten Preis und halten Sie Ihre Obergrenze schriftlich fest. Ein sauber begründetes Angebot mit klaren Bedingungen ist häufig stärker als der höchste Betrag.
Wie erfahre ich früh von passenden Objekten?
Über ein hinterlegtes Suchprofil. Vorqualifizierte Interessentinnen und Interessenten werden in der Praxis vor der Publikation kontaktiert.
Mit einem hinterlegten Suchprofil melden wir uns, sobald ein Objekt zu Ihren Kriterien passt.
Jetzt Suchprofil erstellenAneta Dukova · Marlin Immobilien AG
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Quellen
Wüest Partner, Immo-Monitoring zweites Quartal 2026: Preise für Wohneigentum plus rund 4,3 Prozent im Jahresvergleich cash.ch
Bundesamt für Statistik BFS, Leerwohnungszählung: Leerwohnungsziffer bei rund 1 Prozent
Finanzierungsrichtlinien der Schweizerischen Bankiervereinigung zu Eigenmitteln und Amortisation
Erfahrungswerte Marlin Immobilien AG aus Verkaufsmandaten in den Kantonen Freiburg, Bern und Aargau
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Finanz- oder Rechtsberatung. Für Ihre persönliche Situation ziehen Sie bitte Anwalt, Treuhänder, Notariat oder Ihre Bank bei. Stand: September 2026.
