Mitte Juni hat die Schweizerische Nationalbank den Leitzins zum vierten Mal in Folge bei 0 Prozent belassen. Nun, mit etwas Abstand zum Entscheid, lässt sich die Tragweite klarer einordnen – und sie ist für den Immobilienmarkt eindeutig: Die Finanzierung bleibt günstig, die Nachfrage hoch und der Preisdruck hält an. Wir zeigen Ihnen, was der Nullzins konkret für Hypotheken, Immobilienpreise und Ihre Strategie als Käufer, Verkäufer oder Investor bedeutet.
Der Entscheid in Kürze
Im Rahmen ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung hat die SNB am 18. Juni 2026 entschieden, den Leitzins unverändert bei 0 Prozent zu halten. SNB-Präsident Martin Schlegel verzichtet damit erneut auf Negativzinsen. Seine Einschätzung: «Unsere Geldpolitik ist angemessen, um die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und sie stützt die Wirtschaftsentwicklung.»
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Leitzins bleibt bei 0 Prozent – die vierte Zinspause in Folge, keine Rückkehr zu Negativzinsen.
- Inflationsprognose: 0,6 Prozent für 2026, 0,6 Prozent für 2027 und 0,7 Prozent für 2028 – weiterhin klar im Bereich der Preisstabilität.
- Wirtschaftswachstum: rund 1 Prozent für 2026 und rund 1,5 Prozent für 2027.
- Devisenmarkt: Die SNB bleibt bereit, bei einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens zu intervenieren.
Warum die SNB beim Nullzins bleibt
Die Teuerung hat sich seit der letzten Lagebeurteilung im März zwar etwas beschleunigt – von 0,1 Prozent im Februar auf 0,6 Prozent im Mai. Verantwortlich dafür sind aber vor allem die gestiegenen Preise für Erdölprodukte. Die Kerninflation, also die Teuerung ohne Energie, blieb verhalten. Mit Prognosen klar unter 1 Prozent sieht die SNB keinen Grund, an der Zinsschraube zu drehen.
Als Hauptrisiken nennt die Nationalbank die weltwirtschaftliche Entwicklung – insbesondere die Lage im Nahen Osten und die US-Handelspolitik. Für Eigenheimkäufer und Investoren ist die Botschaft jedoch eindeutig: Das Tiefzinsumfeld in der Schweiz bleibt vorerst bestehen.
Was der Nullzins für Hypotheken bedeutet
Der Leitzins ist der wichtigste Taktgeber für die Hypothekarzinsen. Bleibt er bei null, bleiben auch die Finanzierungskosten tief. Konkret zeigt sich das Mitte 2026 so:
| Hypothekenform | Aktuelles Niveau (Juni 2026) | Tendenz |
|---|---|---|
| SARON-Hypothek | ca. 0,7 – 1,2 % (Marge je nach Bank) | seitwärts, voraussichtlich nahe 0 % bis Ende 2027 |
| Festhypothek 5 Jahre | ca. 1,4 – 1,7 % | stabil, leicht steigend möglich |
| Festhypothek 10 Jahre | ca. 1,5 – 1,9 % | mittelfristig leicht steigend |
Die SARON-Hypothek ist aktuell die günstigste Variante und dürfte sich bei anhaltendem Nullzins seitwärts bewegen. Bei den Festhypotheken erwarten Banken wie die LUKB mittel- bis längerfristig einen leichten Anstieg: Der 10-Jahres-Swap liegt aktuell bei rund 0,6 Prozent, in 12 Monaten wird er auf etwa 0,8 Prozent prognostiziert.
Wer Planungssicherheit schätzt, sichert sich die heute tiefen Festzinsen, bevor sie anziehen. Wer mit Schwankungen leben kann und über solides Eigenkapital verfügt, fährt mit einer SARON-Hypothek günstiger. Oft sinnvoll: eine Aufteilung in zwei Tranchen mit unterschiedlichen Laufzeiten.
Auswirkungen auf die Immobilienpreise
Tiefe Zinsen haben zwei Seiten. Einerseits machen sie das Eigenheim für Käufer erschwinglicher. Andererseits halten sie die Nachfrage hoch – und treffen auf ein weiterhin knappes Wohnraumangebot. Das Resultat: Die Preise steigen weiter.
| Segment | Erwartete Preisentwicklung 2026 |
|---|---|
| Einfamilienhäuser | ca. +3,0 bis +3,1 % |
| Eigentumswohnungen | ca. +2,8 % |
| Wohnimmobilien gesamt (RealAdvisor) | ca. +2,5 bis +3,0 % |
Mit der Bestätigung des Nullzinses dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen. Die Zuversicht auf der Käuferseite ist zurückgekehrt, und die Nachfrage nach Wohneigentum belebt sich spürbar. Wer auf fallende Preise wartet, wartet voraussichtlich vergeblich.
Rechenbeispiel: SARON gegen Festhypothek
Damit Sie ein Gefühl für die konkreten Zahlen bekommen, ein Beispiel für eine durchschnittliche Finanzierung:
Hypothekarbetrag: CHF 700’000
SARON-Hypothek zu ca. 0,9 % = rund CHF 6’300 Zinskosten pro Jahr
Festhypothek 10 Jahre zu ca. 1,7 % = rund CHF 11’900 Zinskosten pro Jahr
Die SARON-Variante ist heute rund CHF 5’600 pro Jahr günstiger. Dafür trägt sie ein Zinsänderungsrisiko: Steigt der Leitzins später wieder, steigen auch die SARON-Kosten. Die Festhypothek kostet mehr, sichert dafür den Zins über zehn Jahre.
Entscheidend ist nicht der tiefste Zins, sondern die Tragbarkeit. Die Banken kalkulieren weiterhin mit einem theoretischen Zinssatz von 4,5 bis 5 Prozent. Wer diese kalkulatorische Hürde komfortabel erfüllt, kann das Tiefzinsumfeld optimal nutzen – ohne sich finanziell zu überdehnen.
Was der Entscheid für Sie bedeutet
Für Käufer: Die Finanzierung bleibt günstig, doch die Preise steigen weiter. Wer Eigenkapital und Tragbarkeit beisammen hat, sollte den Kauf nicht unnötig hinauszögern – Warten wird tendenziell teurer, nicht günstiger.
Für Verkäufer: Die Marktlage ist hervorragend. Tiefe Zinsen und hohe Nachfrage sorgen für viele kaufkräftige Interessenten. Eine professionelle Vermarktung und eine realistische, marktgerechte Preisstrategie holen in diesem Umfeld den bestmöglichen Preis heraus.
Für Investoren: Das stabile Tiefzinsumfeld stützt Bewertungen und Renditen. Für Fix-&-Flip-Projekte und Neubauentwicklungen bleibt die Finanzierung kalkulierbar – ein klarer Vorteil bei der Projektplanung.
Der Nullzins ist Rückenwind, kein Freifahrtschein. Knapp kalkulierte Finanzierungen bleiben anfällig – etwa wenn ein Einkommen wegfällt, eine Sanierung ansteht oder die Zinsen später doch steigen. Lassen Sie Ihre Tragbarkeit und Strategie vorgängig sauber durchrechnen.
Häufige Fragen
Wird die SNB den Leitzins 2026 noch senken?
Der breite Konsens unter Schweizer Banken und Finanzexperten geht davon aus, dass die SNB den Leitzins über das gesamte Jahr 2026 bei 0 Prozent belässt. Eine Rückkehr zu Negativzinsen ist derzeit nicht das Basisszenario.
Soll ich jetzt eine Fest- oder SARON-Hypothek wählen?
Das hängt von Ihrer Risikobereitschaft ab. SARON ist aktuell günstiger, aber zinssensitiv. Festhypotheken kosten etwas mehr, bieten dafür Planungssicherheit. Bei leicht steigenden Festzins-Prognosen kann es sich lohnen, jetzt zu fixieren – oft ist auch eine Kombination beider Formen sinnvoll.
Werden die Immobilienpreise wegen des Nullzinses weiter steigen?
Aller Voraussicht nach ja. Tiefe Finanzierungskosten und ein knappes Angebot halten die Nachfrage hoch. Für 2026 werden Preissteigerungen von rund 2,5 bis 3 Prozent erwartet.
Ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum Kaufen oder Verkaufen?
Für beide Seiten ist die Lage attraktiv. Käufer profitieren von günstiger Finanzierung, Verkäufer von hoher Nachfrage und steigenden Preisen. Entscheidend sind Ihre persönliche Situation und eine saubere Strategie.
Was bedeutet die Franken-Stärke für den Immobilienmarkt?
Die erhöhte Interventionsbereitschaft der SNB betrifft primär die Exportwirtschaft. Für den Immobilienmarkt ist vor allem das stabile Tiefzinsumfeld relevant – und dieses bleibt bestehen.
Ob Kauf, Verkauf oder Investition – wir beraten Sie unverbindlich und auf den Schweizer Markt zugeschnitten.
Aneta Dukova · Marlin Immobilien AG
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Quellen
Schweizerische Nationalbank (SNB): Geldpolitische Lagebeurteilung vom 18. Juni 2026
SRF / 20 Minuten / finews.ch: Berichterstattung zum SNB-Zinsentscheid Juni 2026
ING THINK / RTE: Monetary policy assessment of 18 June 2026
Swiss Life: Nullzins und Auswirkungen auf den Schweizer Immobilienmarkt (2026)
Luzerner Kantonalbank (LUKB): Zinsentwicklung und Swap-Prognosen (Juni 2026)
RealAdvisor: Schweizer Immobilienpreis-Barometer Q1 2026
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Finanz- oder Rechtsberatung. Stand: 18. Juni 2026. Zinssätze und Prognosen können sich kurzfristig ändern; die konkrete Konditionengestaltung erfolgt durch Ihre Bank.